Tina | Die Kräutermacherin erzählt uns von der Natur

Dieses Gespräch mit Tina von Die Kräutermacherin ist Teil einer Interviewreihe mit Frauen, die sich so wie ich besonders mit der Natur verbunden fühlen. Ich werde mit unterschiedlichen Frauen sprechen und mehr über sie und ihren Zugang zur Natur erfahren.

Genau diese Geschichten gebe ich dir dann hier weiter, damit auch du die unterschiedlichsten Einblicke und Zugänge zur Natur entdeckst.

Tina | Die Kräutermacherin erzählt uns von der Natur

Die Kräutermacherei
Kräuterwanderungen und Workshops für selbstgemachte Naturprodukte

Erzähl uns doch etwas über dich

Ich bin Tina und ich bin selbstständige Kräuterpädagogin. Danach habe ich auch noch einige weitere Ausbildungen gemacht. Ich bin auch Grüne Kosmetikpädagogin, Naturheilpädagogin und Hildegard von Bingen Expertin. Vor einigen Jahren habe ich mich dann auch in diesem Bereich mit der Kräutermacherei selbstständig gemacht. Das ist auch mein Herzensprojekt und da biete ich jetzt Workshops zu unterschiedlichsten Themen an. Kräuterwanderungen, seit Ende letzten Jahres auch Webinare, also gibt es meine Angebote online und offline.

Ich bin aber auch noch Jugendarbeiterin und habe Pädagogik studiert und den Master in Sozialpädagogik gemacht. Bin auch in diesem Bereich noch in der außerschulischen Jugendarbeit tätig.

Ich lebe mit meinem Partner auf einem Bergbauernhof in der Steiermark in Murau und wir betreiben eine biologische Landwirtschaft bei der ich ihn unterstütze. Hier habe ich damals auch meine Leidenschaft für die Pflanzen entdeckt. Wir haben hier am Berg auf 1100 Meter eine extreme Pflanzenvielfalt, die mich immer wieder aufs neue fasziniert. Meine Schwiegermutter hat sich viel mit der Pflanzenheilkunde beschäftig und mich da am Anfang angeleitet. Das war auch der Ausgangspunkt für die Kräutermacherei wie es sie heute gibt. Es ist auch nach wie vor so faszinierend und es gibt immer noch eine Menge zu lernen. Ich bin richtig gefesselt von dem Thema und freue mich immer sehr das Wissen in Workshops und bei Seminaren weitergeben zu können.

 

Tina | Die Kräutermacherin erzählt uns von der Natur

Was war dein Einstieg in das Thema Natur?

 

Vor vielen Jahren hat mich eine Biene oder Vespe gestochen. Meine Schwiegermutter hat dann sofort im Garten ein paar Blätter Spitzwegerich gesammelt und mir in die Hand gedrückt mit den Worten: „Die zerreibst du jetzt ordentlich zwischen deinen Fingern und legst es auf deinen Fuß.“ Das hab ich natürlich gleich gemacht und das tolle war, das hat dann auch noch gleich geholfen! Der Schmerz war weg und es ist auch zu keiner Schwellung gekommen. Ich war richtig begeistert.

 

Das war dann auch der Punkt an dem ich angefangen hab mich näher und intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

 

Da meine Schwiegermutter leider sehr zeitig verstorben ist, war dann auch das Kräuterwissen mit ihr weg. Sie hat mir zwar einiges gezeigt und erklärt aber das war natürlich nur ein Bruchteil. Meine erste Ausbildung machte ich dann zur Kräuterpädagogin. Damals war aber die Selbstständigkeit noch überhaupt nicht geplant. Doch dann haben mich immer öfter Freunde und Bekannte gefragt, ob wir gemeinsam eine Kräuterwanderung machen oder ob ich ihnen nicht auch zeigen möchte wie man verschiedene Öle oder auch Tinkturen mischt.

 

Die Kräutermacherei entsteht

Die Kräutermacherei entsteht

 

Aus dem heraus hab ich mir dann überlegt mich wirklich selbstständig zu machen. Das war aber alles sehr spontan und mit vielen Zufällen gespickt. Es hat sich dann über die Jahre entwickelt und es ist auch sehr gut angenommen worden. Das Thema ist sehr besonders und viele Menschen interessieren sich auch dafür, sie wollen wissen was um sie herum wächst. Vielleicht auch was sie damit machen können und wie sie es nutzen sollten.

 

Tina | Die Kräutermacherei und ihr Lieblingsthema die Grüne Kosmetik

Grüne Kosmetik | eines meiner Lieblingsthemen

 

Ich bin auch ausgebildete Grüne Kosmetik Pädagogin und das ist auch eines meiner Themen das mir sehr grossen Spaß macht. Gabriela Nedoma hat diese spezielle Form der Kosmetik begründet. Es werden dabei nur Naturprodukte als Rohstoffe verwendet und auf jegliche Zusätze wird verzichtet. Man geht zu Kühlschrank schaut was hat man vorrätig, Früchte, Obst, Beeren. Du gehst raus in den Garten und holst dir Wildkräuter und Heilpflanzen und machst dir daraus deine Kosmetik. Es ist nochmals eine naturbezogener Form die mich sehr fasziniert. Das Credo von Gabriela Nedoma ist auch angelehnt an Ayurvedische Weisheit, „lass nur das an deine Haut was du auch essen würdest“.

 

Ich empfehle es auch jedem einmal so einen Workshop zu machen, da das so etwas besonderes ist und das einen total begeistern kann. In Grüner Kosmetik sind keine Tenside und Emulgatoren und es wird auf alles synthetische verzichtet. Es ist Ressourcen schonend und sehr hautfreundlich und daher für jeden anwendbar.

 

Es wird auch auf weiterreiste Zutaten wie Sheabutter oder Kakaobutter verzichtet. Man schaut was gibt es regional und wie kann ich das verarbeiten.

 

Grüne Kosmetik | Tina - Die Kräutermacherei

Wie genau kann man sich das jetzt vorstellen?

 

In einem Shampoo z.b. kann man mit Rosskastanien oder Roggenmehl arbeiten. Einfach z.B. Roggenmehl mit Wasser auf Palatschinkenteig Konsistenz anrühren und sich einfach die Haare waschen. Ein einfaches Deo kannst du aus Wasser und Natron herstellen. Mit einfachen Zutaten die man oft auch schon zu Hause hat, kann man sehr viele Produkte erzeugen.

Das ist ein Bereich von meiner Tätigkeit, der auch mein Herzensthema ist. Aber ich habe auch andere Schwerpunkte wie die grüne Hausapotheke oder die wilde Küche und ich versuche immer alle Bereiche miteinander zu verknüpfen. Was wächst draussen und wie und wo kann ich es dann am besten einsetzen.

Wichtig ist es mir bei allen 3 Bereichen, wenige Zutaten und wenige Rohstoffe zu verwenden um so einfach wie möglich Dinge herzustellen.

 

Grüne Kosmetik | Die Kräutermacherei

Wie haltbar sind Grüne Kosmetik Produkte?

 

Es gibt Rezepte die man immer frisch zubereiten sollte, aber es gibt natürlich auch Salben- und Ölauszüge die bis zu einem halben Jahr oder Jahr haltbar sind.

 

Grüne Kosmetik in Workshops erlernen

Was ist die Basis der Grünen Kosmetik?

 

Da kann man sehr gut mit heimischen Ölen wie Sonnenblumenöl verwenden. Prinzipiell sollte man darauf achten Öle zu verwenden die eine länger Haltbarkeit haben. Bei Leinölen und Hanfölen solltest du etwas vorsichtiger sein, denn die sind nicht sehr lang haltbar. Weniger wichtig ist aber, dass das Öl die vielen Wirkstoffe enthält, denn das wird ja durch Kräuter und Planzen angereichert.

 

Als Beispiel kannst du dir einen Lavenelölauszug herstellen und diesen dann zu einer Lippenpflege oder Creme weiterverarbeiten. Auch ein Deo oder viele andere Produkte wären daraus noch möglich. Genau das ist das schöne, dass man da sehr kreativ arbeiten kann und viele Möglichkeiten zu Weiterverarbeitung hat.

 

Du bist sehr offen und frei in deinem Tun. Bei den Workshops zur Grünen Kosmetik, lernst du die Grundlagen und zu Hause kannst du dann weiterarbeiten und deiner Kreativität freien Lauf lassen. Du kannst dann mit den Pflanzen rund um dich weiterexperimentierend.

 

die Grüne Hausapotheke

Erzähl uns noch mehr über die grüne Hausapotheke

 

Da gibt es viele tolle Rezepte für die Alltagswehwehchen, wie Mückenstiche, Kopfweh, Halsweh. Die Natur ist da sehr gut nutzbar und mit einfachen Mitteln kannst du da schnelle Abhilfe schaffen. Auch der Ausgangspunkt für die heutige Schulmedizin sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe.

 

Mein Ansatz sind die alten Heilmittelrezepte, ich schaue wie die Leute früher gearbeitet haben und welche Zutaten sie verwendet haben. Die Klostermedizin mit Hildegard von Bingen ist so ein Schwerpunkt, denn da gibt es viele Interessante Rezepte und Ideen die ich da erforschen kann.

Es wird auch hier sehr einfach mit wenigen Zutaten gearbeitet. Ich arbeite mit Pflanzen die fast überall wachen und die du an vielen Orten finden kannst. Du kannst viele dieser Pflanzen auch zu Hause im Garten oder am Balkon ziehen und dann für diese Rezepte verwenden.

 

Ein einfaches Rezept bei Sonnenbrand ist etwas Spitzwegerich zu sammeln. Diesen dann entweder in den Händen zerreiben oder mit einem Nudelholz ein paarmal rübergehen. Danach legst du dir die Blätter auf die betroffenen Stellen, das kühlt gut und nimmt die Reizung.

 

Kräuter sammeln mit Tina | Die Kräutermacherin

Tipps zum Sammeln von Wildkräutern und Heilpflanzen

 

Nicht bei sehr stark befahrenen Strassen sammeln und auch nicht dort wo viele Hunde spazieren gehen. Am besten du fährst raus in die Natur und hältst dich etwas fernab von Wegen.

 

Nach dem Sammeln kann du dann auch gleich Tinkturen und Ölauszüge herstellen um die Wirkung der Pflanzen zu konservieren. Dann brauchst du nicht immer frisch zu sammeln, sondern hast einen Vorrat für die kalte Jahreszeit.

 

Die einfachste Möglichkeit ist es auch die Kräuter einfach zu trocknen und danach in Gläsern aufzuheben. So hast du immer einen Vorrat für deine Tees.

 

Kräuterwanderungen mit Tina | Die Kräutermacherei

Was ist deine Lieblingspflanze?

 

Der Spitzwegerich ist immer noch meine Lieblingspflanze bei der ich hängen geblieben bin. Den kannst du universell einsetzen und ich mag ihn sehr gerne. Er kommt bei mir in fast jedes Essen, sowohl die Blüten aber auch die Blätter.

 

Ich bereite daraus auch einen Roll-on für Insektenstichen. Dafür mache ich mir eine alkoholische Tinktur. Ich zerkleinere den Spitzwegerich und gebe ihn in ein Glas um ihn dann mit 38%igem Wodka aufzufüllen. Das lass ich dann 2 bis 3 Wochen stehen und danach wird es abgeseiht und fertig ist die Tinktur. Um das ganze noch etwas einzudicken verwende ich Xanthan transparent, das du ganz einfach in der Apotheke kaufen kannst. Diese Tinktur ist auch super haltbar, mit Sicherheit ist sie 2 bis 3 Jahre verwendbar.

 

Der Spitzwegerich ist auch toll und gesund zum Essen. Neben ganz vielen Vitaminen und Mineralstoffen hat er extrem viele Schleimstoffe die dann reizmildernd bei entzündeten Schleimhäuten wirken. Das hilft z.b. gut bei trockenem Husten, da sich die Schleimstoffe über die entzündeten Stellen legen.

 

Die Kräutermacherei

Was ist ein Oxymel?

 

Das ist ein Mittel das in der Antike bekannt wurde und eine Mischung aus Honig und Essig ist. Ist von der Herstellung ähnlich der alkoholischen Tinktur. Du verwendest dafür zerkleinerte Pflanzenstoffe und legst diese in der Mischung von Honig und Essig ein. Das tolle daran ist, dass man dafür keinen Alkohol zum Lösen der Pflanzenstoffe braucht und es daher auch sehr gut für Kinder oder Schwangere verwendbar ist. Oxymel mit Spitzwegerich ist ein hervorragender Hustensaft der bei Kindern super anwendbar ist.

 

Das Mischverhältnis ist immer 3:1 - du verwendest 3 Teile Honig und nur 1 Teil Essig. Wenn du es weniger sauer magst dann kannst du auch 4:1 mischen. Dann schneidest du die Pflanzenteile sehr, sehr klein, je kleiner desto besser und legst diese dann in der Honig-Essig Mischung ein. Das ganze verschließt du luftdicht und lässt es 2 bis 3 Wochen ziehen. Dann seihst du die Mischung ab und sie ist auch schon einsatzbereit. Verwende auch für den Essig und den Honig so naturbelassen und biologische Produkte wie möglich.

 

Die Haltbarkeit vom Oxymel liegt auf jeden Fall bei einem halben Jahr bis einem Jahr. Honig und Essig sind ja 2 Stoffe die sehr gut konservieren.

 

 

Du gibst auch Workshops?

 

Ja da gibt es die verschiedensten Angebote die du alle auf meiner Homepage findest. Mir ist es ganz wichtig mein Wissen zu teilen und weiterzugeben um es auch erhalten zu können. Hier findest du auch noch das Instagram Profil von Tina.

 

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Stephanie von Atempause
Karin von Naturspirit
Susanne von Naturzauberwerke
Melanie von Mint